{"id":865,"date":"2024-10-18T14:09:00","date_gmt":"2024-10-18T12:09:00","guid":{"rendered":"https:\/\/fabianpeltsch.com\/?p=865"},"modified":"2024-12-27T14:21:37","modified_gmt":"2024-12-27T13:21:37","slug":"new-frontier-im-hohen-norden-china-und-russland-in-der-arktis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/fabianpeltsch.com\/en\/2024\/10\/18\/new-frontier-im-hohen-norden-china-und-russland-in-der-arktis\/","title":{"rendered":"New Frontier im hohen Norden: China und Russland in der Arktis"},"content":{"rendered":"<h1 class=\"wp-block-heading\">New Frontier Arktis: Wie China und Russland um Einfluss buhlen<\/h1>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"1024\" height=\"709\" src=\"https:\/\/fabianpeltsch.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/vidar-nordli-mathisen-vpNK_g2k9L0-unsplash-1-1024x709.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-869\" srcset=\"https:\/\/fabianpeltsch.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/vidar-nordli-mathisen-vpNK_g2k9L0-unsplash-1-980x678.jpg 980w, https:\/\/fabianpeltsch.com\/wp-content\/uploads\/2024\/12\/vidar-nordli-mathisen-vpNK_g2k9L0-unsplash-1-480x332.jpg 480w\" sizes=\"(min-width: 0px) and (max-width: 480px) 480px, (min-width: 481px) and (max-width: 980px) 980px, (min-width: 981px) 1024px, 100vw\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p>Das Eis in der Arktis schmilzt dramatisch \u2013 schon 2035, weit fr\u00fcher, als Forscher noch vor zehn Jahren vermuteten, k\u00f6nnten gro\u00dfe Teile eisfrei sein. Das hat auch zur Folge, dass im hohen Norden Seewege und Bodensch\u00e4tze neu erschlossen werden k\u00f6nnen. Alteingesessene Arktisstaaten, aber auch sogenannte Beobachterstaaten, wollen deshalb baldm\u00f6glichst Fakten schaffen. Schon 2018 hat sich China in einem Wei\u00dfbuch zur Au\u00dfenpolitik deshalb als \u201eArktis-naher\u201c-Staat definiert \u2013 und das, obwohl Dalian, Chinas n\u00f6rdlichster Hafen, gute 5.700 Kilometer vom Nordpol entfernt ist. Peking spricht im Zusammenhang seiner chinesischen Arktispl\u00e4ne auch von einer \u201epolaren Seidenstra\u00dfe\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p><br>China ist vor allem daran interessiert, Ressourcen wie Seltene Erden und Uran abzubauen, zum Beispiel in Gr\u00f6nland, das von chinesischen Unternehmen schon l\u00e4nger mit Infrastrukturprojekten umschmeichelt wird. Aber auch eisfreie Seewege \u00fcber das Nordpolarmeer sind f\u00fcr China als Ausweich- und Erg\u00e4nzungsrouten zur Stra\u00dfe von Malakka und dem Suezkanal hochinteressant. 80 Prozent der chinesischen \u00d6limporte m\u00fcssen momentan durch die Stra\u00dfe von Malakka, ein Nadel\u00f6hr, das von den USA und anderen Staaten im Konfliktfall leicht blockiert werden k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><br>Russland wird zum arktischen Sorgenkind<\/h2>\n\n\n\n<p><br>Auf geopolitischer Ebene war die Arktis seit dem Ende des Kalten Krieges ein Ort der Zusammenarbeit, die sich vor allem in gemeinsamer Forschung, etwa zur Biodiversit\u00e4t und zum Klimawandel, niederschlug. Probleme wurden im arktischen Rat gel\u00f6st, einem zwischenstaatlichen Forum bestehend aus Island, Norwegen, Finnland, Russland, USA, Kanada und \u2013 wegen Gr\u00f6nland \u2013 D\u00e4nemark. Sicherheitspolitik geh\u00f6rt bis heute nicht zum Mandat des Arktischen Rates. Dabei gelten Sicherheitsfragen seit Russlands Annexion der Krim und dem Einmarsch in die Ukraine auch hier als brennend.<br>Die Arktis ist wichtig f\u00fcr Russlands Anspruch auf Weltmachtstatus und milit\u00e4risch eine Schl\u00fcsselregion zur Abschreckung und Verteidigung. Russland besitzt die l\u00e4ngste arktische Grenze aller Anrainerstaaten, und Arktis sowie Subarktis umfassen ein F\u00fcnftel seiner Landfl\u00e4che. 90 Prozent der russischen Gasf\u00f6rderung und 60 Prozent der \u00d6lf\u00f6rderung finden dort statt, auch liegen hier rund 60 Prozent der russischen Gas- und \u00d6lreserven. Russland betrachtet das Polargebiet zudem als Teil seines Festlandsockels, also als nahtlose Fortsetzung seines Territoriums unter Wasser, was zus\u00e4tzlich f\u00fcr Territorialstreitigkeiten sorgt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><br>\u201eNeue milit\u00e4rische Dynamik in der Arktis\u201c<\/h2>\n\n\n\n<p><br>In den letzten Jahren hat Moskau seine milit\u00e4rischen Aktivit\u00e4ten in der Arktis immer weiter hochgefahren. Russland f\u00fchrt im Norden fast j\u00e4hrlich gro\u00dfe Milit\u00e4r\u00fcbungen mit tausenden Soldaten, Flugzeugen, schwerem Ger\u00e4t, Unterwasserdrohnen und U-Booten durch. Von reaktivierten Milit\u00e4rbasen aus dem Kalten Krieg k\u00f6nnen S-400-Mittelstreckenraketen starten, die Gr\u00f6nland und Alaska erreichen k\u00f6nnen. Auch MiG-31 Jagdflugzeuge und andere Kampfbomber k\u00f6nnen auf russisch beanspruchten Inselgruppen wie Franz-Josef-Land vom Nordpolarmeer aus starten.<\/p>\n\n\n\n<p><br>In einem Strategiepapier sprach Schwedens Regierung 2020 von einer \u201eneuen milit\u00e4rischen Dynamik in der Arktis\u201c und erh\u00f6hte den Verteidigungsetat um etwa 40 Prozent. Auch andere Staaten wie Finnland und Norwegen sind seitdem n\u00e4her an die USA und die Nato ger\u00fcckt. Durch seine Aufr\u00fcstung hat sich Russland also auch sicherheitspolitisch in der Arktis isoliert. Das Land ist zwar noch Teil des arktischen Rates. Allgemein wurden aber Kontakte aufs Mindeste heruntergefahren oder aufgek\u00fcndigt. So finden zum Beispiel kaum noch Forschungskooperationen statt. Davon profitiert China, dem Russland immer mehr Zu\u00adgang zu seinen H\u00e4fen und Hoheitsgebieten \u00f6ffnet.<\/p>\n\n\n\n<p><br>\u201eSeit dem Einmarsch in die Ukraine im Jahr 2022 ist Russland international zunehmend isoliert. Diese Isolation schw\u00e4cht Russland als Gro\u00dfmacht, was China, als eine extrem statusbewusste Nation, klar ist\u201c, sagt Erdem Lamazhapov vom Fridtjof Nansens Institut am Rande des derzeit in Island stattfindenden Arctic Circle Forums zu Table.Briefings. \u201eIn dieser Zeit der Schw\u00e4che hat China Russland geholfen, sein Gesicht zu wahren. Dazu geh\u00f6ren unter anderem ein Kooperationsabkommen der K\u00fcstenwache in Murmansk, sowie eine verst\u00e4rkte milit\u00e4rische Zusammenarbeit, einschlie\u00dflich gemeinsamer Marine\u00fcbungen\u201c, sagt der Analyst, der sich auf die sino-russischen Beziehungen in der Arktis spezialisiert hat.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><br>Pragmatischer Partner Peking<\/h2>\n\n\n\n<p><br>Diesen Monat hat die chinesische K\u00fcstenwache erstmals zusammen mit russischen Schiffen eine Patrouille in der Arktis unternommen. Laut dem Staatssender CCTV erkl\u00e4rte Chinas K\u00fcstenwache, dass man so das \u201edas Spektrum der Offshore-Eins\u00e4tze erheblich erweitert\u201c und \u201edie F\u00e4higkeit der Schiffe zur Durchf\u00fchrung von Missionen in unbekannten Gew\u00e4ssern gr\u00fcndlich getestet\u201c habe. \u201eLetztendlich sind diese Dinge aber eher symbolisch und haben keinen bedeutenden Einfluss auf die Arktis\u201c, meint Analyst Lamazhapov.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Ein Strategiebericht des Pentagons warnt dennoch ausdr\u00fccklich vor einer verst\u00e4rkten chinesisch-russischen Zusammenarbeit im Polargebiet, auch in Bezug auf die Dual-Use-Nutzung von Forschungsergebnissen, die China infolge seiner \u201ewissenschaftlichen Diplomatie\u201c seit vielen Jahren in der Arktis zusammentr\u00e4gt. Beim Arctic Circle in Island spricht Lisa Murkowski, US-Senatorin f\u00fcr den Staat Alaska, von einem \u201eneuen kalten Hauch\u201c und der Gefahr eines \u201eeisigen Vorhangs\u201c in der Arktis. Anfang Oktober wurde mit Mike Sfraga erstmals ein leitender US-Botschafter f\u00fcr arktische Angelegenheiten ernannt. China kontert wiederum, dass eine von den USA gef\u00fchrte Nato sich zunehmend in arktischen Gew\u00e4ssern breitmache. Aus nuklear-strategischer Perspektive stellt die Arktis tats\u00e4chlich eine verwundbare Nordflanke f\u00fcr China dar. Im Falle eines Krieges verlaufen die Routen amerikanischer Interkontinentalraketen, die auf China abzielen, \u00fcber das Nordpolarmeer. Daher ist Peking unter anderem an der Entwicklung von Fr\u00fchwarnsystemen in der Arktis interessiert.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><br>Moskau will in der Arktis nicht Chinas \u201eJunior Partner\u201c sein<\/h2>\n\n\n\n<p><br>Noch decken sich die Interessen der aus der Not geborenen Arktispartner, zuletzt beschlossen im Mai mit einer Joint Declaration. Ressourcen sollen gemeinsam gef\u00f6rdert werden, momentan vor allem Gas. Auch sollen fern\u00f6stliche Gebiete Russlands und nord\u00f6stliche Provinzen Chinas wie Heilongjiang und Jilin besser in die kommerzielle Nutzung der Arktis integriert werden. Langfristig k\u00f6nnte Russland, der weit erfahrene und besser ausger\u00fcstete Staat in der Arktis, jedoch gegen\u00fcber China den K\u00fcrzeren ziehen.<\/p>\n\n\n\n<p><br>Tats\u00e4chlich war Moskau, als China sich 2013 um einen Beobachterstatus im Arktischen Rat bewarb, bereits dagegen. Und auch heute noch will Russland Einfluss darauf nehmen, was China in der Region unternimmt, betrachtet chinesische Forschungsstationen und die wachsende Pr\u00e4senz der chinesischen Xuelong-Eisbrecher mit Misstrauen. Milit\u00e4rische Informationen, die f\u00fcr Russland einen strategischen Vorteil darstellen, werden von Peking nicht immer freiwillig geteilt. Auch F\u00e4lle chinesischer Spionage gegen Russland sind bekannt.<\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\"><br>China darf Russlands rote Linien nicht \u00fcberschreiten<\/h2>\n\n\n\n<p><br>Hinzukommt, dass China seine Unabh\u00e4ngigkeit von Russland durch gezielte Investitionen und Aufr\u00fcstung seiner eisg\u00e4ngigen Marine- und Forschungsschiffe stetig vergr\u00f6\u00dfert. Mit Wartungsvertr\u00e4gen f\u00fcr Eisbrecher und dem Ausbau von russischen H\u00e4fen durch chinesische Firmen ist China in einigen Bereichen sogar auf einem guten Weg, Russland von sich abh\u00e4ngig zu machen. Diese Dynamik k\u00f6nnte Russland in der Arktis bald schon zum Juniorpartner werden lassen \u2013 etwas, das Moskau kaum akzeptieren wird, wie Marc Lanteigne, Geopolitik-Experte an der Arctic University of Norway im Gespr\u00e4ch mit Table.Briefings, erkl\u00e4rt. \u201eDies ist keine Beziehung, die meiner Meinung nach auf lange Sicht Bestand hat, da Russland als arktischer Staat Vorrechte einfordert, w\u00e4hrend Peking die Arktis als neue strategische Grenze betrachtet.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><br>Falls China bestimmte rote Linien \u00fcberschreitet, ist die Partnerschaft in der Arktis schnell pass\u00e9, glaubt Lanteigne. \u201eChina w\u00fcrde f\u00fcr den russischen Partner diese Grenze etwa \u00fcberschreiten, wenn es anf\u00e4ngt, auf einen gr\u00f6\u00dferen Zugang zu den Gew\u00e4ssern vor Sibirien zu bestehen oder mehr Zugang zur russischen Arktisk\u00fcste zu bekommen. Auch wenn Peking eine Art von unabh\u00e4ngiger Arktispolitik entwickelt, in der Russland eine Art Abwertung erf\u00e4hrt, k\u00f6nnte die Kooperation sogar in Feindschaft ausarten.\u201c<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Infolge des Klimawandels wollen Russland und China in der Arktis gemeinsam Bodensch\u00e4tze und neue Seewege erschlie\u00dfen. Doch die Partnerschaft findet nicht auf Augenh\u00f6he statt und k\u00f6nnte bald sogar in Feindschaft umschlagen.<\/p>\n<p>(Published by China.Table)<\/p>","protected":false},"author":1,"featured_media":866,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_et_pb_use_builder":"off","_et_pb_old_content":"","_et_gb_content_width":"","footnotes":""},"categories":[8],"tags":[],"class_list":["post-865","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-china"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/fabianpeltsch.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/865","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/fabianpeltsch.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/fabianpeltsch.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/fabianpeltsch.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/fabianpeltsch.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=865"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/fabianpeltsch.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/865\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":874,"href":"https:\/\/fabianpeltsch.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/865\/revisions\/874"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/fabianpeltsch.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media\/866"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/fabianpeltsch.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=865"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/fabianpeltsch.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=865"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/fabianpeltsch.com\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=865"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}